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Zu Unrecht vergessener Neo Noir von 1975
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: The Killer Inside Me [VHS] (Videokassette) Central City, Montana: Lou Ford (Stacy Keach) ist der Deputy Sheriff einer Minenstadt, darin er als Sohn eines Mathematikprofessors (Royal Dano) und einer Dozentin für Psychologie (Julie Adams) auch geboren wurde und heranwuchs. Seine Eltern sind verstorben, doch Deputy Ford ist wohl gelitten, denn er hat die besondere Gabe, als ein ausgeglichener und besonnener Charakter so manchen Konflikt zu schlichten. Zudem ist er mit der hübschen Lehrerin Amy Stanton (Tisha Sterling) verlobt, die ihn seit vielen Jahren liebt. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen zwischen dem Minenbesitzer Chester Conway (Keenan Wynn) und dem Reformkandidaten Howard Hendricks (Charles McGraw) kommt es allerdings zu Spannungen. Auch zwischen den Arbeitern und dem Conway-Sprössling Elmer (Don Strout) ist das Verhältnis nicht allzu gut. Zu viel Stress ist für den äußerlich so starken Lou Ford, der an Halluzinationen leidet, aber schlecht verträglich. Als er von seinem Vorgesetzten, Sheriff Bob Maples (John Dehner), eines Tages zu einer Prostituierten außerhalb der Stadt geschickt wird, bringt die Begegnung mit Joyce Lakeland (Susan Tyrell) die dunkle Seite seiner selbst zum unerwarteten Ausbruch...

Der vom zeitgenössischen Publikum viel geschmähte Film ist ein exzellenter Neo Noir, der einen Grundstein fürs Kino John Dahls und der Coen Brothers legte. Ist es einerseits richtig, dass sich die Autoren Edward Mann und Robert Chamblee von der Romanvorlage Jim Thompsons entfernten, liefert der Film mit dem von Stacy Keach kongenial umgesetzten Portrait Lou Fords eine Charakterstudie erster Güte. Nein, hier geht es nicht um explizite Gewalt, Action oder Special Effects! Burt Kennedys Rhythmus in der ersten Hälfte, der Lou Ford als einen zentralen Charakter im Getriebe des Städtchens Central City einführt, ist meisterhaft konterkariert von Einbrüchen Fords dunkler Erinnerungen ins Alltagsleben.

Hier finden sich die Elemente eines Film-Noir-Stils zuhauf: Erzählerstimme aus dem Off, Rückblendenstruktur, Femme fatale und eine nur schrittweise sich enthüllende, nachtdunkle Vergangenheit. Kameramann William Fraker zitiert mit kontrastreichen, innovativen Licht-Schatten-Szenarien den klassischen Film Noir. Tim McIntire and John Rubinstein liefern einen von Jazz, Dissonanzen und Überblendungen gekennzeichneten Soundtrack, der nie aufdringlich daher kommt. Überhaupt ist der Ton als Stilelement allgegenwärtig - als die Stimmen im Rundfunk und als jenen von Lou Fords traumatischer Erinnerung. Mit John Carradine ("Mord in der Hochzeitsnacht", 1945), Charles McGraw ("Rächer der Unterwelt", 1946) und Royal Dano ("Die Mündung vor Augen", 1951) lieh sich Burt Kennedy drei Darsteller, die den klassischen Film Noir nicht nur streiften. Von hier aus kam Royal Dano noch bis in David Lynchs an Noir-Zitaten reiche TV-Serie "Twin Peaks" (USA 1990/1).

Die einzige, vergriffene US-DVD stammt von 1998 und ist weltweit abspielbar. Sie bringt ein solides Bild im falschen Format (4:3 statt Widescreen 2.35:1) - Untertitel oder Extras gibt es keine. Dafür ist sie im Vgl. zur deutschen VHS-Kassette (90 Min.) mit 98 Min. ungekürzt.

(C) by Matthias Merkelbach, www.der-film-noir.de
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. Juni 2010
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